Einige reiseliterarische Empfehlungen

Nach den Tagen des Lernens und ständigen Wiederholens des gleichen und immergleichen Stoffes, den der Student in sich hineinzupressen hat, um ihn dann in einer Art 40 minütigen Orgasmus’ auf die endlosen Papierseiten zu spritzen, freut sich der Geist erstmal über Ruhe, Entspannung und infantiler Unterhaltung alla Angelika Kalwass oder gute Zeiten, schlechte Zeiten. Und natürlich Alkohol.

 

Doch dann, klammheimlich beginnt es im Kopf wieder zu rattern – dann, so scheint es erwacht der Kopf wieder zum leben, er signalisiert: “Hallo, ich bin wieder da!”. Dann wird es Zeit, sich in ein Büchergeschäft zu begeben und sich “Stoff” für die verbleibende studienfreie Zeit zu suchen.

 

In meinem Fall sind das für diese Ferien: “Ich bin dann mal weg” von Hape Kerkeling, “Wie man bei Windstärke 10 stilvoll eine Tasse Tee trinkt” von Mick Conefrey, sowie “Tiger fressen keine Yogis” von Helge Timmerberg. Letzterer soll laut Meinung von Sybille Berg der “beste Schreiber Deutschlands [in ihrer Generation]” sein. Allein die Titel verraten es: Es geht mehr oder weniger um Reiseliteratur.

 

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg

Den Anfang bildete “Ich bin dann mal weg” von Hans Peter Kerkeling. Er beschreibt in diesem Buch seine Reise auf dem Jakobsweg, Europas wichtigstem Pilgerweg. Zunächst war ich leicht entsetzt, denn Hape Kerkeling weißt keinesfalls die “klassischen Muster” eines Trekkers auf, wenn er statt in den Pilgerherbergen zu übernachten lieber in Hotels geht oder Teile des Weges aus Erschöpfung (oder Faulheit?) per Anhalter oder Bus überbrückt. Für mich als passionierten Trekker ein “no go”. Doch je öfter ich umblätterte um so mehr begriff ich, dass es bei einem Pilgerweg weniger um den sportlichen Charakter, den ich für meine Reisen herausstelle, geht, sondern vielmehr um einen inneren Prozess des sich-versenkens, sich-verlierens und sich-findens. Kerkeling legt weniger Wert auf ausgefallene Naturbeschreibungen als auf seine inneren Erkenntnisse und die Beschreibung der Menschen, Mitpilgerer, die man auf so einem Weg kennenlernt, was für eine Reiseerzählung eher ungewöhnlich, aber durch die Tatsache, dass er ja einen Pilgerweg gegangen ist, durchaus sinnvoll erscheint.

 
Mick Conefrey: Wie man bei Windstärke 10 stilvoll eine Tasse Tee trinkt

Anschließend fiel mir das Buch “Wie man bei Windstärke 10 stilvoll eine Tasse Tee trinkt” von Mick Conefrey in die Hände. Wie der Titel vermuten lässt, geht es bei diesem Buch um die großen Expeditionen vergangener Zeiten. Conefrey beschäftigt sich hier mit der Erforschung der Arktis und der Antarktis, er entführt den Leser in die heißen Wüsten und die hohen Berge des Himalayas um schließlich mit ihm den Australischen Kontinent zu durchwandern. Der Autor zeigt, warum manche Expeditionen in der Vergangenheit scheiterten und andere erfolgreich waren, was eine gute Expedition ausmacht und weckt mit vielen kleinen Beispielen und Anekdoten beim Leser den Wunsch, selbst einmal auf eine Expedition zu gehen. Conefrey gibt ausserdem (teilweise skurrile) Ratschläge zum Überleben in den verschiedenen Regionen der Erde an, was allerdings aufgrund der Kürze der Erklärungen sicherlich von anderen Büchern besser abgedeckt wird. Alles in allem ist es ein toll zu lesendes Buch, das den einen oder anderen Schmunzler (oder bei mir herzhaften Lacher) hervorruft.

 

Helge Timmerberg: Tiger fressen keine Yogis

Last, but not least kam Helge Timmerbergs “Tiger fressen keine Yogis” an die Reihe. Von diesem Buch hatte ich mir das Meiste versprochen und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. In 27 Kurzgeschichten beschreibt Timmerberg Episoden aus seinem Leben als Reisejournalist von Indien bis in die USA: Mal meditiert er in einem Ashram in Indien, mal sitzt er in einem Cafe in Barcelona und ein anderes mal testet er die Partymeilen von Beirut. Teilweise sind seine Geschichten erschreckend abgründig, manchmal tiefgründig, oft witzig aber auf jeden Fall will man, dass keine einzige Kurzgeschichte endet….

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